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Europa - Beobachtungen einer Reise

Die Europäische Union ist sicherlich nicht perfekt. Zu viel Bürokratie und zu starke Regulierung sind nur zwei von etlichen, stets wiederholten, Kritikpunkten. Warum die Europäische Einigung trotz ihrer Versäumnisse das Beste ist, was diesem Kontinent in den letzten 100 Jahren widerfahren ist, erklärt unser Kreisvorsitzender David Stiegeler.

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Bundesautobahn A60 zwischen Steinebrück und Elcherath: Eigentllich ein unauffälliges Stück Autobahn. Wären da nicht zwei große Parkplätze in beiden Fahrtrichtungen und zwei große, verfallene Gebäude. Denn: Auf diesem unscheinbaren Stück Autobahn verläuft die deutsch-belgische Grenze. Nur durch ein einziges Verkehrsschild lässt sich die Grenze noch erahnen. Auffälliger ist da dann doch die SMS des Netzproviders. Vor gerade einmal zwei Jahren hätte ich in dieser Nachricht noch eine Benachrichtigung über die Kosten von Anrufen im belgischen Netz erhalten. Diesmal steht in der Nachricht einfach nur:  "Innerhalb der EU zahlen sie für ankommende und abgehende Telefonate, SMS und Datennutzung keine Roaminggebühren." Tankstop. 50,00 Euro passen in den Tank. Wo wir früher noch die Währung gewechselt hätten, zahlen wir heute mit der gleichen Währung wie in Deutschland. 

Aber der größte Vorteil, den uns die EU schenkt, erfahre ich durch Wikipedia und im Gespräch mit einem jungen Franzosen auf dem Campingplatz bei Malmedy. Malmedy, eine 12.000 Einwohnerstadt, ist den meisten heute aufgrund der nahen Rennstrecke von Spa-Francorchamps bekannt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt aber aufgrund des Malmedy-Massaker bekannt, als deutsche Soldaten mindestens 80 amerikanische Kriegsgefangene töteten. Wenige Kilometer weiter wurden einige Tage später belgische Zivilisten bei einem weiteren Kriegsverbrechen durch deutsche Soldaten getötet.

Und heute, gerade einmal 74 Jahre später, sitzen junge Menschen aus ganz Europa hier auf einem Zeltplatz und feiern, haben gemeinsam Spaß an einem Motorsportrennen.

Ein junger Franzose fasste es schlussendlich treffend zusammen: "Stell dir vor, wir wären vor 90 Jahren geboren worden. Dann hätten wir vielleicht aufeinander an diesem Ort geschossen - Wir trinken heute gemeinsam ein Bier. Das ist doch wunderbar."

Frieden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges schlossen sich ehemalige Feinde zusammen, um zusammen-, nicht gegeneinander zu arbeiten. Wenn die EU noch so viele Fehler hat, der Friede, den wir heute kennen, wäre ohne die EU meiner Meinung nach nicht möglich gewesen.

Und für diesen Frieden nehme ich gerne einige Regulierungen und zu viel Bürokratie hin. Vielleicht sollten wir öfter darüber nachdenken, wie gut es uns heute geht, anstatt darüber nachzudenken, warum es uns schlecht gehen könnte. Denn: Verglichen mit der Geschichte unseres Kontinents geht es uns heute sehr gut. Einen großen Anteil daran hat die Europäische Union.

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